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"Jeder Mensch „ist” eine lebendige Geschichte, das Leben hat seine Merkmale hinterlassen. Und:  Menschen sind „geschichtenerzählende Wesen”. Sie leben in Erzählgemeinschaften, sind in gute und böse Geschichten verstrickt. In diesem Kontext sind Gesundheit und Krankheit als vollzogene, sich vollziehende und sich entwerfende Lebensgeschichte zu sehen."                                                                                   Hilarion Petzold

Was dieses Buch von den "Ratgebern" unterscheidet ist, daß es eben kein "mach es mal so oder so..." gibt, sondern zuerst eine ganz normale Lebensgeschichte schildert, für alle gut verständlich geschrieben und mit einem gelungenen Spannungsbogen, der den Leser unmittelbar zum eigentlichen Anliegen führt, nämlich der Auseinandersetzung mit einer psychosomatischen Erkrankung. Es sollte den Menschen leichter fallen, einen Roman in die Hand zu nehmen, als noch ein Fachbuch über die "Formen der Angst".



Gilbert Belo

Der Seele ungeheure Kluft
Leben, Reisen und Schicksal des Gil B.

frei nach dem deutschen Gil Blas des
Johann Christoph Sachse und einem
Vorwort von J.W.v.Goethe

ISBN 3-9805535-9-0
144 Seiten, gebunden; EUR 14.90


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Ralf Wege gibt auf seiner Internetseite http://www.bibliomanie.de/ eine treffende Darstellung des Inhalts:

Zum Thema Bibliotherapie sei an dieser Stelle auf den Titel „Der Seele ungeheure Kluft" von Gilbert Belo hingewiesen. Der Autor hat in dem Buch "Der deutsche Gil Blas" - Leben, Reisen und Schicksal des Johann Christoph Sachse und einer Einführung von J.W.v.Goethe, Erstdruck Stuttgart / Tübingen 1822 - entscheidende Impulse für die Schilderung seiner Biographie gefunden .

Gilbert Belo reflektiert seine eigene Lebensgeschichte, sein Buch ist zugleich Auto-biographie, Reisebericht und die Auseinandersetzung mit seiner psychosomatischen Erkrankung. Er schlägt den Bogen von Gil B.`s "Erstem Leben, das im dritten Jahr des mörderischsten aller Kriege, im Kreißsaal eines Kölner Krankenhauses", beginnt, bis zur Wiedergeburt: „Annähernd zwei Jahre müssen vergehen, bis ich Entscheidungen so treffen kann, dass die alten Bilder nicht wiederkommen und allmählich ganz verschwinden. Wir werden nicht versuchen herauszufinden, was schlußendlich das Entscheidende war, das dazu geführt hat. Wichtig ist, dass ich weiß: nun bin ich in der Lage durchzuhalten, wenn meine Seele und mein Verstand ja sagen, und kann darauf bauen, dass im gegebenen Augendblick das Richtige geschieht."

Zuvor lässt Gil B. den Leser teilhaben an dem, was er an Höhen und Tiefen in seinem Leben gesehen hat, seine Versuche, die Tiefen zu überwinden. Zum Beispiel durch Reisen, um die Brücke zum Gil Blas des Johann Christoph Sachse zu schlagen. Die Lebensgeschichte des Gilbert Belo entwickelt sich zum Reisebericht, zur Schilderung  seiner Abenteuer und Begegnungen mit fremden Kulturen, um dann plötzlich zur Offenlegung seiner psycho-somatischen Störung zu werden. Bis zu dem Punkt, an dem es vermeintlich nicht mehr weitergeht: „Doch auch das nützt nichts, die Ängste zerreißen meine Gedanken, sie lassen sich nicht abstellen. Ich bin am Ende, auf knapp 60 Kilo zusammengeschrumpft, und eigentlich zu keiner Willensentscheidung mehr fähig."

Daß es doch weitergeht zeigt das Buch, das Gilbert Belo geschrieben hat. Darüber sagt er selbst: "Ich habe meine Ängste aufgeschrieben und ein Buch daraus gemacht, damit möglichst viele lesen können, daß es einen Weg aus der Angst gibt." Das macht Hoffnung für alle, die in ähnlicher Situation sind, wie es Gilbert Belo war. Denn "Gil B. ist auf seinem guten Wege ..." schreibt Beate Pottmann-Knapp, Psychotherapeutin für Logotherapie und Existenzanalyse, in der Schlußbetrachtung von "Der Seele ungeheure Kluft".

Hinweis zur Bibliotherapie

Die „Nutzbarmachung des Lesens" zu therapeutischen Zwecken ist nur ein Teil der Bibliotherapie; zuerst ist es "...ein Prozess der Selbsterkenntnis, seine Lebensgeschichte
zu verstehen, indem man im Gespräch mit anderen „selbst”-verständlich wird"
(Zitat Prof. Petzold) - und sie danach aufschreibt! Dies geschah während der Therapie des Patienten
G. Belo, der unter erheblichen Angst- und Zwangsneurosen litt.

Auf Grund des realitätskonformen Berichts kann seine Erfahrung im psychotherapeutischen Prozeß aller Fachrichtungen im Sinne der Bibliotherapie eingesetzt und für die Arbeit mit
den Patienten herangezogen werden. Das von einer Therapeutin als Schlußbetrachtung gestaltete Kapitel soll die Basis für die LeserInnen sein, sich dem stellen zu können, was
die Geschichte in der eigenen Gedanken- und Emotionswelt auslöst.

Das eigene Leben rückbezogen auf seine Inhalte zu betrachten – noch einmal einzutauchen und erkennen, daß oft erst im Nachhinein der Sinnzusammenhang begreifbar wird, Versäumtes gut gemacht oder ausgesöhnt werden kann – bedeutet für den betroffenen Menschen oftmals eine enorme emotionale und moralische Entlastung, eine „Befreiung“,
in deren Folge gerade auch im fortgeschrittenen Alter noch viel Sinnvolles und Erfüllendes verwirklicht werden kann.